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  • Michael Wiegert-Wegener

Das Kino des „Kleinen Mannes“


Theoretisch könnten in Deutschland rund 60 Millionen Bürgerinnen und Bürger – von den „Jungen“ bis zu den „Alten“ – ihren Alltag filmisch dokumentieren, denn so viele Mobiltelefone sind im Umlauf. Gut, nicht alle davon eignen sich technisch zum Filmen, manche sind Karteileichen, weil sie inzwischen außer Betrieb und in irgendeiner Schublade „versenkt“ sind. Sagen wir: die Hälfte der im Umlauf befindlichen Geräte werden für ’s Filmen genutzt.

Im vergangenen Jahrhundert verwendete man /Frau dafür zunächst noch Filmkameras mit beschränktem und teurem Filmvorrat. Die Geräte kosteten im Durchschnitt ähnlich viel wie ein Mobiltelefon, was aber von der Kaufkraft wesentlich mehr bedeutete. Anfang 1950 war da schnell ein Monatsgehalt futsch. Entsprechend selten sah man daher im Alltag jemanden filmen. Im Sommerurlaub 1959 galt zum Beispiel mein Vater am österreichischen Urlaubsort als „Der Filmer“. Niemand sonst fiel dort durch private Kameraarbeit auf.

Film als Hobby ist schon recht alt. Es ist bald 100 Jahre her, dass Amateurkameras auf den Markt kamen – für Menschen mit genügend Kleingeld. Gedreht wurde deshalb sparsam und mit Bedacht.

In den späten 1970er Jahren konnte man die ersten Videokameras kaufen. Klobige Dinger für Schwarzweiß-Videos oft mit separatem Recorder. Dann Anfang der 1980er Jahre ging es ganz schnell: Betamovie, VHS, VHS-C, Video 8, DV und so weiter. Vierzig Jahre später greifen wir zum Smartphone, dem transportablen Alleskönner: PC, Recorder, Fotoapparat in einem und manchmal sogar noch Telefon.