Historische Filmreihe zur Geschichte der Stadt Bielefeld

Fahrradstadt Bielefeld

Über 70 Millionen Fahrräder soll es in Deutschland geben. Ob die wirklich alle unterwegs sind, bleibt allerdings ungewiss. Dass Bielefeld einmal einer der wichtigsten Produktionsstandorte für Fahrräder und Fahrradzubehör in Deutschland gewesen ist, wissen heute wahrscheinlich nur die Wenigsten.
Im Erscheinungsjahr dieser DVD wird die Erfindung des Fahrrades mit dem Laufrad des Freiherren Carl Drais 200 Jahre alt. Dieser Film, für den die Stiftung Tri-Ergon Filmwerk wieder viele Meter historisches Filmmaterial gesichtet hat, zeichnet den Weg der Bielefelder Fahrrad- und Fahrradzubehörproduktion seit den Anfängen in Bielefeld-Gadderbaum im Jahre 1883 bis heute nach. Er beschreibt die ersten abenteuerlichen Fahrradrennen mit Hochrädern auf Bollbrinkers Radrennbahn, berichtet vom Pioniergeist Bielefelder Tüftler und Fabrikanten in der industriellen Gründerzeit, zeigt Originalaufnahmen der legendären Rennen der 1950er Jahre und besucht ein Steherrennen auf der Radrennbahn in den Heeper Fichten im Jahr 2017.
Wir erfahren auch, welcher Zusammenhang zwischen der Bielefelder Textil- und Fahrradindustrie besteht. In der „Leinenstadt Bielefeld“, die sich zu Recht auch „Fahrradstadt“ nennen darf, wurden im Laufe der Jahrzehnte bahnbrechende Erfindungen rund um das Fahrrad gemacht und von dort in alle Welt exportiert

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Die Sparrenburg - Das Wahrzeichen der Stadt Bielefeld

Direkt am Pass durch den Teutoburger Wald, 60 Meter über der Stadt, liegt das Wahrzeichen von Bielefeld: Die Burg und Festung Sparrenberg – kurz „Sparrenburg“ genannt. Die Anlage ist fast so alt wie das 800-jährige Bielefeld selbst. Inzwischen aber gibt es sogar Vermutungen, dass an ihrer Stelle schon eine ältere Befestigung existiert habe. Die heutige Form der Sparrenburg ist ohnehin durch Erweiterungsbauten und Veränderungen stets gewachsen, wie archäologische Grabungen jüngerer Zeit bestätigen. Anfang des 13. Jahrhunderts hatten die Grafen von Ravensberg aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus die Stadt gegründet. Durch Erbfolgen wechselten die Besitzverhältnisse der Burg und ihres Umlandes im laufe der Zeit, bis die Grafschaft Ravensberg und ihre Festung schließlich zu Brandenburg-Preussen kamen. Während sich die Waffentechnik immer weiter entwickelte, büßte die Sparrenburg als Verteidigungsanlage an Bedutung ein. Zur Zeit des "Alten Fritz" drohte sie sogar zu verfallen. Die Steine ihrer gewaltigen Außenmauern dienten für den Kasernenbau als Steinbruch. Eine Bürgerinitiative sorgte Ende des 19. Jahrhunderts für den Wiederaufbau des Turmes der Burg. Die DVD berichtet über dieses und andere Ereignisse in der wechselvollen Geschichte der Sparrenburg. Die Kamera geht auf Entdeckung in die "unterirdischen Gänge" und besucht auch das traditionelle Sparrenburgfest.

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Erschienen:1990/2006 Laufzeit: 19:50 Min

Der Jahnplatz - gestern und heute | zeitgeschichtliche Dokumentation

Als 1847 vor den Toren der Stadt ein Bahnhof an der Köln-Mindener Eisenbahn errichtet wird, liegen vor dem Niederntor grüne Wiesen und Felder. 1861 pflanzten Turner dort die Jahn-Eiche anlässlich des Gedenktages der Schlacht bei Leipzig. Die Bezeichnung “Jahnplatz” taucht amtlich erst 15 Jahre später auf. Allgemeingut wird der Jahnplatz, als im Oktober 1883 eine Bronzebüste des Turnvaters Jahn mitten in der Grünanlage enthüllt wird.

Das NW-Video, 1990 produziert und hergestellt von der Bielefelder TRI-ERGON FILM GMBH, beschreibt über rund 160 Jahre die Geschichte des Platzes, sein Werden und sein Wandel im Zuge der industriellen und verkehrlichen Entwicklung der Osningstadt. Die städtebaulichen Probleme beginnen schon 1902, als sich auf dem Jahnplatz zwei Straßenbahnlinien treffen. 1957 macht Bielefeld Furore: Der neue Fußgängertunnel unter dem Jahnplatz ist bundesweit einmalig. Spätestens seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat sich der ehemalige Platz zu einem Verkehrsknotenpunkt entwickelt, dem Kritiker heute trotz aller Gestaltungsversuche eine gewisse “Seelenlosigkeit” und geringe “Aufenthaltsqualität” vorwerfen. Manche Bielefelder vermissen die Gemütlichkeit und Nostalgie, die großformatige historische Fotos des Platzes in der Straßenbahnhaltestelle Jahnplatz verströmen. Die DVD war bereits bei ihrem ersten Erscheinen 1990 ein großer Erfolg und ist inzwischen bei der Stiftung Tri-Ergon Filmwerk aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht worden. Wenig bekanntes und zum Teil noch nicht veröffentlichtes Filmmaterial ist zu sehen.

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Erschienen: 2008, Laufzeit: 29:19 Min.

Die Lutter | Bielefeld entdeckt seinen alten Bach

Die Geschichte der Lutter beginnt lange vor der Bielefelder Stadtgründung. Damals floss der „saubere Bach“ denn nichts anderes bedeutet das Wort „Lutter“ ausschließlich nach Süden zur Ems und keinesfalls durch das „Bilivelde“. Erst als der Gadderbaumer Bohnenbach der wachsenden Stadt im 15. Jahrhundert nicht mehr genügend Wasser lieferte, erreichten die Bielefelder in zähen Verhandlungen vom damaligen Landesherren, dass sie die Lutterquellen teilen und damit dem Bohnenbach mehr Wasser zuführen durften. Jahrhunderte lang floss die Lutter mitten durch Bielefeld, trieb bis zu 12 Mühlen an und versorgte die Stadt mit Wasser. Dann verschwand sie im Untergrund, wo sie noch heute durch die Kanalisation plätschert.

Dies ist die wechselvolle Geschichte der Lutter – die Geschichte eines Baches, der vom Mittelalter bis zur Industrialisierung Bielefelds eine wichtige Rolle spielte; von einem Stadtgewässer, das lange vergessen war.

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Erschienen: 2010, Laufzeit: 30:22 Min.

Bethel | Sozialgeschichte made in Bielefeld

Sozialgeschichte made in Bielefeld“Die Gemeinde Gadderbaum unmittelbar vor den Toren der Stadt Bielefeld. Hier am Fuße der Sparrenburg gründen 1867 engagierte Bürger der Stadt ein Heim für epilepsiekranke Menschen. Als Friedrich v. Bodelschwingh 1872 die Leitung dieser „Rheinisch-westfälische Anstalt für Epileptische“ antritt, ahnt noch niemand, dass sich die Einrichtung in etwas mehr als hundert Jahren von einer kleinen Privatanstalt zum größten diakonischen Unternehmen Europas entwickeln würde. Bis heute sind die Grundzüge der v. Bodelschwinghschen Idee des Miteinander von behinderten und nicht-behinderten Menschen in Bethel und seinen Einrichtungen zu spüren. Aber wer weiß schon, dass Bethel schon im vorletzten Jahrhundert den Gedanken des „Recycling“ verwirklichte oder dass Friedrich v. Bodelschwingh maßgeblich an der frühen Sozialgesetzgebung mitwirkte. Für die DVD „Bethel – Sozialgeschichte made in Bielefeld“ ging die Stiftung Tri-Ergon Filmwerk in die Archive und fand dort unter anderem den ersten Werbefilm der v. Bodelschwinghschen Stiftungen aus den 1920er Jahren. Bethel in bewegten Bildern von damals bis heute, dazu anschauliche Hintergrundinformationen, so kommt dem Betrachter die wichtige Institution mit dem Namen des 1910 verstorbenen Geistlichen, Reformers und Organisationstalentes nahe.

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Erschienen: 2010, Laufzeit: 48:30 Min.

Bielefeld - die Leinenstadt | vom Handel zur Industrie

Das Leineweber-Denkmal auf dem Altstädter Kirchplatz steht für die fast vergessene, Jahrhunderte alte Tradition der Ravensberger Bauern, die erst für den Eigenbedarf und schließlich für die Bielefelder Kaufleute Flachs zu Tuch verarbeiteten. Bis in die 1960er Jahre konnte noch jeder Besucher, der mit der Eisenbahn nach Bielefeld kam, auf dem Bahnsteig lesen: „Bielefeld, die Leinenstadt“. Das war mehr als nur ein Werbeslogan, denn das Schild sagte etwas über die Produktivität der Bielefelder aus, die erst für sich – im „stillen Kämmerchen“ sozusagen – und später vor aller Welt einen Industriezweig zu ihrem Markenzeichen machten: die Leinenindustrie. Mit interessanten Film- und Bilddokumenten aus dem vergangenem Jahrhundert illustriert die DVD der Bielefelder Stiftung Tri-Ergon Filmwerk den Weg der heimischen Textil- und Bekleidungsindustrie von ihren Anfängen bis heute. Besonders interessant: der „Leinenfaden“ zog quasi die Metallindustrie nach Bielefeld, denn ohne Maschinen ließen sich Stoffe und Bekleidung nicht im großen Maßstab herstellen. Die Autoren lassen Zeitzeugen, Historiker und Nachkommen der ersten Kaufleute aus der Leinenstadt über die spannende Entwicklung „Vom Handel zur Industrie“ berichten.

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Erschienen: 2012, Laufzeit: 29:48 Min.

Haller Willem | Initialzünder für die regionale Wirtschaft

1886 verändert eine regionale Eisenbahnverbindung das Leben am Teutoburger Wald. Sie gilt als Initialzünder für die regionale Wirtschaft zwischen Bielefeld und Osnabrück. Gleichzeitig beendet sie auch eine Epoche: die Zeit des Pferdefuhrwerks. Mit solch einem Transportmittel hatte der Haller Wilhelm Stuckemeyer schon Jahre vor dem Bahnlinienbau Waren von Halle nach Bielefeld und zurück gebracht. In Erinnerung an den beliebten Fuhrmann trägt die Bahnline heute seinen Namen: „Haller Willem“.Diese DVD erzählt von der 125 jährigen Geschichte der Bahnlinie, ihrem Niedergang zum Ende des vergangenen Jahrhunderts und der Wiederinbetriebnahme im Jahr 2000. Der Stiftung Tri-Ergon Filmwerk ist es gelungen, bisher unveröffentlichte Bilder aus der Nachkriegszeit, Dokumentaraufnahmen von der Neugestaltung des „Haller Willem“ Ende der 1990er Jahre und Mitfahrten im Führerstand auf der Strecke Bielefeld – Osnabrück aus den zwei vergangenen Jahrzehnten zu vereinen.

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Erschienen: 2013, Laufzeit: 43:45 Min.

Bielefeld MoBiel | von der Straßenbahn zur Stadtbahn

Im Dezember 1900 wurden die ersten Gleise der Bielefelder Straßenbahn verlegt. Damals war das eine kleine Sensation. Denn Straßenbahnchef Carl Brüggemann hatte ohne Planfeststellungsverfahren den Startschuss für den ÖPNV in Bielefeld gegeben, so sicher war er sich seiner Sache. In ihrer über 110-jährigen Geschichte hat sich die Straßenbahn zur Stadtbahn gewandelt, wurde im Laufe der Zeit moderner und ging sogar 1970 an der Beckhausstrasse unter die Erde. Sie wurde damit zur „kleinsten U-Bahn der Welt“.Mit der vorliegenden DVD zeichnet die Stiftung Tri-Ergon Filmwerk die Geschichte der Bielefelder Stadtbahn nach. Seltenes und zum Teil noch nie gezeigtes Filmmaterial illustriert die wichtigsten Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte und gibt einen Ausblick auf Chancen und Möglichkeiten des öffentlichen Personennahverkehrs im beginnenden 21. Jahrhundert.

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Erschienen: 2014, Laufzeit: 24:26 Min.

Bahn als Hobby

Die Welt der Eisenbahn hat den Bielefelder Filmproduzenten Gunther Wolf schon in seiner Kindheit begeistert. Damals in Dresden war es eine Modelleisenbahn im Laden von B. A. Müller, die den gebürtigen Sachsen nachhaltig beeindruckte. Als der frisch gebackene Filmproduzent 1949 in Ostwestfalen mit der Herstellung von Werbe- und Industrie- und Kulturfilmen für das Kinoprogramm begann, blieb er der Liebe zu den kleinen feinmechanischen Miniaturzügen treu. Es sollte aber bis 1957 dauern, das Hobby um die Modelleisenbahnen zum Filmthema zu machen. Erst vor Kurzem tauchte eine 35mm Filmkopie von „1:87“ in Gunther Wolfs Nachlass auf. „1:87“ ist der Titel des Schwarzweissfilmes und – unter Kennern nichts Neues – der Maßstab für die H0-Eisenbahnmodelle. Liebevoll widmet sich Wolf auch den Modellbauern und Modellbahnenthusiasten vor Ort. Es ist ihm bei dieser Produktion gelungen, Modellaufnahmen anschaulich mit realen Vorbildern zu kombinieren. So taucht das Stellwerk im Bereich des Bielefelder Hauptbahnhofes ebenso auf wie der Ringlockschuppen in Bielefeld, der Bahnhof in Minden und landschaftlich beeindruckende Streckenabschnitte in Ostwestfalen. Vor der Erstveröffentlichung erhielt der Film das begehrte „Prädikat wertvoll“, was seinen Einsatz im Kino erst ermöglichte. Später drehte Wolf regelmäßig Filme für die Bundesbahn (heute: Deutsche Bahn), die u.a. im Verkehrsmuseum in Nürnberg als sogenannte LOKORAMA-Filme im Breitwandformat die Mitfahrt auf einer Lok simulierten.

Für die vorliegende DVD ließ die Stiftung Tri-Ergon Filmwerk „1:87“ digital neu abtasten, restaurierte den Film und versah ihn mit einer aktuellen Rahmenhandlung, die unter anderem an die Drehorte von damals führt.

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Erschienen: 2015, Laufzeit: 34:48 Min.

Der Kesselbrink | von einer Viehweide zum zentralen Treffpunkt

Er ist einer der zentralen Plätze Bielefelds: der Kesselbrink. Ursprünglich Viehweide der Bielefelder Bürger, dann Exerzierplatz für preußische Soldaten und schließlich zentraler Busbahnhof. Wer weiß schon, dass hier sogar einmal eine Heilquelle sprudelte? Die Stiftung Tri-Ergon Filmwerk hat für diese DVD sehenswerte historische Dokumente zusammengetragen, darunter seltene Filmaufnahmen aus den 1950er Jahren oder von der „Stöpsel-raus“-Veranstaltung im Hallenbad am Kesselbrink, das im Jahr 2000 abgerissen wurde. Zahlreiche Fotografien aus den Beständen des Stadtarchivs und Gespräche mit Zeitzeugen geben Einblicke in die wechselvolle Geschichte des Kesselbrinks. Welche Veränderungen dieser zentrale Ort im Laufe der Jahrhunderte mitgemacht hat, erzählt der vorliegende Film. Allerdings endet der Film mit der Einweihung des Restaurants Agora, das inzwischen auch schon Geschichte geworden ist.

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Jubiläums-DVD-Box zum 800. Geburtstag der Stadt Bielefeld

Zum 800. Geburtstag der Stadt Bielefeld brachte die Neue Westfälische eine Jubiläums-DVD-Box mit vier der besonders interessanten historischen DVDs heraus, die in fast 30 Jahren innerhalb der Historischen Reihe der Stiftung Tri-Ergon Filmwerk erschienen sind. Es sind vor allem bewegte Bilder und einzelne Aspekte aus der Stadtgeschichte, die das Publikum interessieren.

"Das sind manchmal sensationelle Filmausschnitte wie die Bombardierung des Schildescher Viaduktes oder der Einmarsch der Amerikaner 1945 aber auch Erinnerungsstücke vom Umbau des Jahnplatzes 1957 oder Straßenbahnfahrten lange vor der Eröffnung des Tunnels", erklärt Frank Bell, der als NW-Redakteur die Reihe seit 1985 betreut. Mit Kameramann und Cutter Michael Wiegert-Wegener von der „Stiftung Tri-Ergon Filmwerk“ ist er seit vielen Jahren immer auf der Suche nach neuem, verwertbarem Filmmaterial aus der Stadtgeschichte. Im Schneideraum ist es dunkel und mucksmäuschenstill.

Nur das gleichmäßige Rattern des ein wenig betagten 35mm-Steenbeck-Schneidetisches ist zu hören. Auf dem Bildschirm flackern schwarzweiße Bilder aus dem Bielefeld der 1950er Jahre: Besucher drängen vom Wochenmarkt. Steht dort heute nicht das Telekom-Hochhaus? In der nächsten Einstellung ist der Kesselbrink von Bäumen umsäumt zu sehen. Davor warten Überlandbusse – einige sogar mit Anhängern. Lloyd, Borgward und VW-Käfer fahren an Generotzkys Bratwurststand an der Ecke Wilhelmstraße vorbei. Dazu jede Menge schwarze Fahrräder der Marken Anker, Dürkopp oder Miele. Aufnahmen vom Jahnplatz zeigen den Abriss des Mertens-Hauses. Es stand etwa dort, wo heute die Bronze-Uhr die Zeit anzeigt.
Bewegte Bilder aus Bielefelds Vergangenheit beeindrucken immer wieder den Historiker Dr. Holger Schettler und Michael Wiegert-Wegener, die zusammen mit Frank Bell die Stiftung gegründet haben und gemeinsam an der Filmreihe weiter arbeiten. Die ältesten erhaltenen Filmaufnahmen

aus der Stadt sind fast 100 Jahre alt. Zusammen haben die drei seit den 1980er Jahren zahlreiche dieser Schätze für die historische DVD-Reihe der Neuen Westfälischen gesichtet und restauriert. Die Macher greifen dabei nicht nur auf eigene Archivbestände zurück, von Anfang an haben sie gern die Unterstützung Bielefelder Bürger in Anspruch genommen. Auf manchem Dachboden verstauben Normal- und Super-8-Filme aus dem Nachlass der Großeltern. Oder in flachen Weißblechdosen mit vergilbten Aufklebern ruhen vergessene Schätze auf 16- und 35-mm-Film.
Dass die Filmschätze aus Bielefeld inzwischen jedermann auf DVD zugänglich werden, ist ihrer unermüdlichen Arbeit zu verdanken, die in der Stiftung gebündelt wird. In ihrem Berufsalltag arbeiten sie mit modernster Digitaltechnik, produzieren Industrie- und Werbefilme und sind für das Fernsehen unterwegs. Wenn es um historische Filmdokumente geht, kommt allerdings altbewährte analoge Technik zum Einsatz.

Damit kennen sich nur noch Wenige aus. "Wir sichten das Material, überlegen seinen Einsatz für verschiedene Themenbereiche und beurteilen die optischen und mechanischen Eigenschaften der alten Filme. Auch die abgebildeten Orte und Personen versuchen wir zu identifizieren", erklärt Wiegert-Wegener, der seine Laufbahn mit der Filmkamera und am 6-Teller-Tisch im Schneideraum begonnen hat.
"Wenn die Filmbüchsen schon leichten Essiggeruch verströmen", ergänzt Bell, "ist schnelles Handeln gefragt. Der unumkehrbare Zersetzungsprozess der Trägerschicht eines Films ist ein Schrecken für jeden Archivar. Das historische Material ist dann kaum noch zu retten und muß umgehend digitalisiert und die sich zersetzende Filmkopie anschließend vernichtet werden." Die redaktionelle Arbeit mit den digitalen Duplikaten unterscheidet sich kaum von der mit anderen Filmen, erklärt Historiker Schettler. Akribische Recherche ist selbstverständlich. Und wenn möglich, sind aktuelle Interviews von Zeitzeugen das Salz in der Suppe.

Gerade die kleinen Geschichten aus dem Alltag ergänzen oft die seltenen Bilder. So zeigte Rolf Meister, ehemals Wirt der "Hammer Mühle", dem Team im Keller der Gastwirtschaft zugemauerte Fenster, die einst den Blick auf die Lutter freigaben, als die noch nicht fünf Meter unter dem Straßenniveau floss.
Und natürlich gehört auch die Suche nach interessantem Filmmaterial dazu.
Bereits 1985 haben die NW-Redakteure Axel Frick (später Geschäftsführer des Zeitungsverlages) und Frank Bell mit den ersten drei Produktionen aus dem damaligen NW-Videostudio den Grundstein für die Historische Reihe gelegt. "Schon damals haben wir altes Filmmaterial gesichtet und gesichert, wie etwa Schützenfestfilme ab 1929 oder Originalaufnahmen aus britischen und US-amerikanischen Archiven, auf die wir noch heute für viele lokale Themen zurückgreifen können", erläutert Bell. "Wir arbeiten dabei hervorragend mit dem Bielefelder Stadtarchiv und dem Historischen Museum zusammen."

Kontakte gebe es auch mit dem Bundesarchiv und dem Filmarchiv des Landschaftsverbandes Münster.
"Im Laufe der Zeit haben auch wir selbst immer wieder Stadtgeschichte mit der Kamera dokumentiert", ergänzt Schettler. "Tri-Ergon drehte in den 1980er Jahren am Klosterplatz, als dort an Stelle des Gesellschaftshauses das Astoria-Kinocenter gebaut wurde, und dokumentierte später die Entstehung des neuen Bahnhofsviertels und den Abriss des Güterbahnhofs. Das sind jetzt auch schon historische Aufnahmen."
Bell und Wiegert-Wegener haben seit den 1970er-Jahren viele Aufnahmen in Bielefeld gemacht: "Auch auf dieses Material können wir zurückgreifen", betont der Kameramann. "Die Themen werden uns schon angesichts der Zahl der alten Filme nicht ausgehen", sagt Schettler.